Die Website muss eine Entscheidung vorbereiten
Wer täglich an einer Software arbeitet, kennt ihre Begriffe, Zusammenhänge und Stärken. Besucher bringen dieses Vorwissen häufig nicht mit. Eine lange Funktionsliste beantwortet deshalb noch nicht die Frage, ob das Produkt für sie relevant ist. Für die Konzeption ist eine andere Reihenfolge hilfreicher: Welche Aufgabe will der Interessent erledigen? Was erschwert sie heute? Welchen Teil übernimmt die Software? Und was muss vor einer Entscheidung geklärt werden?
Diese Fragen bestimmen die Struktur einer Seite. Die Startseite gibt Orientierung, eine Anwendungsseite erklärt einen konkreten Einsatz und eine Funktionsseite geht in die Tiefe. Müssen alle Seiten dasselbe leisten, entsteht entweder ein sehr allgemeines Versprechen oder eine überladene Produktdokumentation.
MEETOVO: Die Produktentwicklung wieder sichtbar machen
Bei MEETOVO spiegelte die bisherige Website die bevorstehende Softwareversion 5.0 nicht mehr angemessen wider. Außerdem mussten Unternehmen und Recruiting-Agenturen unterschiedlich angesprochen werden. Wir entwickelten die Website von Figma bis Webflow neu und visualisierten die Funktionen mit zahlreichen individuellen Grafiken. Das bestehende Logo blieb erhalten. Zum MEETOVO-Projekt.
Das Beispiel verdeutlicht ein typisches Problem wachsender SaaS-Produkte: Das Produkt entwickelt sich schneller als seine Außendarstellung. Für einen Relaunch reicht es dann nicht, Farben auszutauschen. Zunächst gehört geprüft, welche Produktgeschichte noch stimmt, welche Funktionen neu eingeordnet werden müssen und ob die Seitenstruktur die tatsächlichen Zielgruppen abbildet.
Famedly: Erst verstehen, dann gestalten
Für Famedly begann die Konzeption mit einem mehrstündigen Workshop mit Verantwortlichen aus unterschiedlichen Abteilungen. Daraus entwickelten wir das Website-Konzept und die Sitemap. Neben Produktseiten entstanden Bereiche für Blog und Webinare; das Webflow CMS wurde auf das Marketing-Team abgestimmt. Die Zusammenarbeit erfolgte mit Thomas Kemp. Zum Famedly-Projekt.
Für komplexe Software ist ein solcher Einstieg besonders wertvoll. Fachleute im Kundenteam kennen die entscheidenden Details. Unsere Aufgabe ist es, daraus eine verständliche Informationsarchitektur und eine visuelle Erklärung zu entwickeln. Das ist etwas anderes, als technische Begriffe lediglich durch kürzere Wörter zu ersetzen.
Produktgrafiken müssen etwas erklären
Ein vollständiger Screenshot zeigt häufig zu viele Informationen gleichzeitig. Eine gezielt gestaltete Produktgrafik kann stattdessen einen Ablauf, eine Eingabe oder einen Zusammenhang hervorheben. Die Darstellung sollte fachlich stimmen und darf keinen Funktionsumfang versprechen, den das Produkt nicht bietet.
Für die Auswahl hilft eine einfache Prüfung: Kann ein Besucher nach dem Betrachten sagen, was er mit der Funktion erledigt? Wenn nicht, fehlt entweder der Kontext oder die Grafik ist überwiegend Dekoration. Animation lohnt sich dort, wo Reihenfolge und Veränderung Teil der Erklärung sind. Bei einer statischen Aussage reicht oft eine ruhige Darstellung.
Mehrere Zielgruppen brauchen unterschiedliche Antworten
Die späteren Anwender interessieren sich für tägliche Aufgaben. Verantwortliche für die Einführung fragen nach Aufwand und Zuständigkeiten. Technische Beteiligte wollen wissen, wie das Produkt in ihre Umgebung passt. Diese Perspektiven lassen sich über passende Einstiege und interne Links verbinden, ohne die gesamte Website dreimal zu schreiben.
Wir empfehlen dafür eine Inhaltsmatrix: Zeile für Zeile werden Zielgruppe, Frage, benötigter Beleg und nächster Schritt erfasst. Wo derselbe Inhalt für alle relevant ist, bleibt er zentral. Wo sich die Entscheidung unterscheidet, braucht es eine eigene Erklärung.
Webflow als Grundlage für die Weiterentwicklung
Die Marketing-Website und das SaaS-Produkt sind unterschiedliche Systeme. In Webflow strukturieren wir Inhalte und wiederkehrende Gestaltungselemente so, dass neue Anwendungsseiten in den bestehenden Auftritt passen können. Welche Inhalte als CMS-Eintrag und welche als individuell gestaltete Seite angelegt werden, hängt von Umfang und Pflegeprozess ab.
Vor dem Launch sollte das Kundenteam einen realistischen Arbeitsgang testen: eine Produktänderung einpflegen, eine Grafik ersetzen und den passenden nächsten Schritt verlinken. Dabei zeigt sich, ob die Struktur auch außerhalb der Designansicht verständlich ist.
Erfolg an der Qualität der nächsten Schritte prüfen
Ein ansprechender Relaunch allein belegt noch keine bessere Vertriebsleistung. Für die Auswertung eignen sich vereinbarte Ereignisse wie qualifizierte Demo-Anfragen und die Rückmeldungen aus dem Vertrieb. Auch wiederkehrende Verständnisfragen sind aufschlussreich: Was müssen Interessenten im Gespräch noch einmal erklärt bekommen?
Die hier genannten Projektentscheidungen sind konkrete Beispiele unserer Arbeit. Daraus leiten wir keine allgemeine Conversion-Steigerung ab. Entscheidend ist, ob die eigene Website passende Interessenten verständlich bis zur nächsten sinnvollen Entscheidung begleitet.
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